„Fürchtet euch nicht vor den Menschen!“ sagt Jesus zu seinen Jüngern im Matthäusevangelium (Mt 10,26-33). „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, aber die Seele nicht töten können.“
Er ermutigt sie mit diesen Worten, sich zum Herrn zu bekennen, trotz vielerlei Anfeindungen ringsum.
Theologin Ursula Silber beschrieb in ihrer Predigt die Situation der Jünger nach Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu, als sie sich als Gemeinde neu ordnen mussten. Sie hatten zwar in der jüdischen Gemeinde ihre Wurzeln, traten dann aber in die Nachfolge Jesu. Dazu habe es viel Mut gebraucht, so Silber.
Dreimal werde im Evangelium gesagt: „Fürchtet euch nicht!“ Wer sich dies von Jesus zusprechen lasse, könne Schwierigkeiten und Bedrängnisse leichter meistern, denn Furcht mache klein, lähme und blockiere unser Tun.
Sie rief die Zuhörenden dazu auf, dem Mut eine Chance zu geben: Im Alltag, vielleicht auch mal in Ausnahmesituationen so zu handeln, wie es der eigenen tiefen Überzeugung entspreche. Dies sei gerade auch in der Umbruchssituation notwendig, in der sich die Kirche zurzeit befinde.
Nicht zu verzagen, sondern Jesus an der Seite zu wissen, der sage: Euer Leben steht in Gottes Macht. Ihr seid kostbar. Ihr seid nicht allein, denn ich bin mit euch.
Sich vorzunehmen einmal am Tag mutig zu sein, könne viel zum Guten verändern, sagte Ursula Silber: Das könne das Ausüben eines Ehrenamtes sein, ein Gebet für jemanden zu sprechen, etwas Neues auszuprobieren oder sich mit anderen zusammenzutun, um die Bibel zu teilen. Möglichkeiten gebe es viele, Ängste und Sorgen zu vertreiben.
Ein schönes Element der Wortgottesfeier war die Segensspendung am Taufstein im hinteren Teil der Kirche. Anlässlich des Sommeranfangs sang die Gemeinde das eindrückliche Lied aus dem Gotteslob Nr. 465.
Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht. Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut, Herr, zwischen Blühn und Reifen und Ende und Beginn. Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin.
Kaum ist der Tag am längsten, wächst wiederum die Nacht. Begegne unsern Ängsten mit deiner Liebe Macht. Das Dunkle und das Helle, der Schmerz, das Glücklichsein nimmt alles seine Stelle in deiner Führung ein.
Das Jahr lehrt Abschied nehmen schon jetzt zur halben Zeit. Wir sollen uns nicht grämen, nur wach sein und bereit, die Tage loszulassen und was vergänglich ist, das Ziel ins Auge fassen, das du, Herr, selber bist.
(T: Detlev Block, GL 465)
Fotos: Susanne Mahlmeister

